SPD-Arbeitskreis Landwirtschaft informiert sich auf Hofgut Lindenberg in Schlüchtern

Veröffentlicht am 10.07.2019 in Landkreis

SPD-Arbeitskreis Landwirtschaft informiert sich auf Hofgut Lindenberg in Schlüchtern

Wir müssen von diesem romantischen Bild einiger Großstadt-Grünen auf den ländlichen Raums wegkommen. Wir vom Land sind nicht das Freilichtmuseum für gelangweilte Großstädter. Lebensmittel wachsen bei uns und nicht in schicken Frankfurter Lofts. Es geht nicht darum, das Land zu erhalten, sondern es weiterzuentwickeln. Schließlich lebt die Hälfte der hessischen Bevölkerung hier. Aber das wird nur allzu gerne vergessen

Der Arbeitskreis „Landwirtschaft und Ländlicher Raum“ der SPD Hessen-Süd besuchte den Hof von Dieter Euler (7.v.l.) in Schlüchtern
Der Arbeitskreis „Landwirtschaft und Ländlicher Raum“ der SPD Hessen-Süd besuchte den Hof von Dieter Euler (7.v.l.) in Schlüchtern Bild: Hartmut Bock

Landtagsabgeordneter Heinz Lotz kritisiert Einstellung der Landesregierung zum ländlichen Raum

Gemeinsam mit dem Arbeitskreis „Landwirtschaft und ländlicher Raum“ der SPD Hessen-Süd besuchte der Landtagsabgeordnete Heinz Lotz das Hofgut Lindenberg in Schlüchtern. Gemeinsam mit der Umweltdezernentin des Main-Kinzig-Kreises Susanne Simmler diskutierten sie mit rund 20 Interessierten aus ganz Hessen über die Frage, welche Auswirkungen Ausgleichsmaßnahmen und Naturschutzflächen auf die Landwirtschaft haben. Die Mitglieder des vor drei Jahren gegründeten und aus Praktikern, Bediensteten der Agrarverwaltung sowie interessierten Parteimitgliedern bestehenden Arbeitskreises sind sich einig, dass der „Flächenfraß“ drastisch vermindert werden muss, denn alle fünf Jahre verliert Hessen eine Fläche von mindestens 7.000 Fußballfeldern an Ackerland durch verschiedene Baumaßnahmen, aber auch durch Ausgleichsmaßnahmen.

Dabei sei eine der größten Herausforderungen für den Klimaschutz, die Wege vom Acker bis zum Teller so nah wie möglich zu halten. Für jeden Hektar, der für die landwirtschaftliche Nutzung wegfalle, müsse man Lebensmittel nach Deutschland importieren. Gemeinsam mit Landwirt Dieter Euler fand auf dessen Betrieb, der nach den Demeter Richtlinien ökologisch wirtschaftet wird, eine Hofführung statt. Dabei wurden vor Ort Ausgleichsmaßnahmen und Naturschutzflächen sowie deren Auswirkungen auf die landwirtschaftlichen Nutzflächen und die Natur besichtigt. Deutlich wurde der Zielkonflikt „Landwirtschaft-Naturschutz“ vor Ort bei Flächen der Hessischen Domäne Hundsrück, wo 130 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche als Ausgleichmaßnahme für Neubaumaßnahmen des Frankfurter Flughafens dem Naturschutz aufgeforstet wurden und somit der Produktion von regionalen Lebensmitteln nicht mehr zur Verfügung stehen.

Der Landtagsabgeordnete Heinz Lotz, der für die SPD-Landtagsfraktion Sprecher für Landwirtschaft ist, will die Eindrücke der Exkursion mit nach Wiesbaden nehmen. „Wir sehen immer nur das Wachstum im Rhein-Main-Gebiet. Dabei frisst dieses Wachstum Unmengen an Flächen, auch auf dem Land. Auf der einen Seite für Gebäude und Infrastruktur, auf der anderen Seite für Ausgleichsmaßnahmen. Zum Beispiel werden Flächen auf dem Land stillgelegt, wenn Großprojekte wie der Flughafen sich erweitert. Gleichzeitig müssen wir dazu übergehen, wieder mehr Lebensmittel in der Nähe der Teller zu produzieren und dazu brauchen wir ausreichend landwirtschaftliche Flächen“, sagte der in Steinau lebende Heinz Lotz. Besonders bedenklich empfindet Lotz die Einstellung einiger grüner Landtagskollegen zum ländlichen Raum. Hier hatte die grünen Abgeordnete Hildegard Förster-Heldmann in einer Landtagsrede am 17. Juni erklärt, dass sie nicht glaube, dass „durch die Stärkung des ländlichen Raums der Druck auf die Städte“ vermindert werde, dennoch das Land die Pflicht habe, die Qualität im ländlichen Raum zu erhalten. Von derartigen Almosen hält Heinz Lotz nichts: „Wir müssen von diesem romantischen Bild einiger Großstadt-Grünen auf den ländlichen Raums wegkommen. Wir vom Land sind nicht das Freilichtmuseum für gelangweilte Großstädter. Lebensmittel wachsen bei uns und nicht in schicken Frankfurter Lofts. Es geht nicht darum, das Land zu erhalten, sondern es weiterzuentwickeln. Schließlich lebt die Hälfte der hessischen Bevölkerung hier. Aber das wird nur allzu gerne vergessen“.

 
 

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