Ärztliche Versorgung

Ein Hausarzt sollte möglichst schnell erreichbar und vor Ort für die Bürger*innen da sein. Wir Brachttaler erleben in unserer Gemeinde allerdings eine Unterversorgung. Der Versorgungsgrad beträgt hier aktuell nur 30.7%. Um das zu ändern, wollen wir gemeinsam mit den Ärzten hier vor Ort, der kassenärztlichen Vereinigung und dem Kreis einen Weg finden, um die ärztliche Versorgung in Brachttal zu verbessern.

 

Anfragen

08.03.2021 - Stand der Konzeptstudie zur ärztlichen Versorgung

 

Anfrage zur Sitzung der Gemeindevertretung am 08.03.2021

Sehr geehrter Herr Heer, unter Hinweis auf die GO stellen wir folgende Anfragen:

  1. Liegt ein Ergebnis der von den Kommunen Wächtersbach, Bad Soden-Salmünster, Brachttal und Birstein beauftragten und finanzierten Konzeptstudie zur ärztlichen Versorgung vor?
  2. Falls ja, bis wann bekommen die Gemeindevertreter das Ergebnis mitgeteilt?
  3. Wie ist die weitere Planung der Gemeinde Brachttal, bzw. die weitere Vorgehensweise?

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Georg
-stellvertretender Fraktionsvorsitzender-

Presse

Pressemitteilung zu unserem Debattencamp vom 03.02.2021

 

Zukunft der hausärztlichen Versorgung Brachttals

Wie wichtig es ist, einen Hausarzt als direkten Ansprechpartner im Ort zu haben, weiß jeder und deshalb ist es umso wichtiger, diese Versorgung auch zukünftig zu sichern. In den ver-gangenen Jahren brannten sich bei den Brachttalerinnen und Brachttalern dunkle Ziffern in das Gedächtnis ein. Doch am vergangenen Mittwoch haben sich die Brachttaler Sozialdemokraten mit den neuen, vielversprechenden Zahlen beschäftigt, die dieses Bild aus dem Weg räumen sollen.

Wie jeden Mittwochabend hat sich die SPD Brachttal auch diese Woche wieder im Rahmen einer Videokonferenz, dem wöchentlichen Debattencamp, zusammengefunden. Diese Woche stand das Thema der ärztlichen Versorgung in Brachttal auf der Agenda, für das sich eine kleine Arbeitsgruppe der SPD im Vorhinein in einem intensiven Gespräch mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV) austauschte. Zudem werden noch Gespräche mit dem jetzigen Hausarzt gesucht, um auch seine Expertise für die langfristige Planung der ärztlichen Versorgung Brachttals einfließen zu lassen. Eine positive Überraschung für alle Anwesenden war die wesentliche Veränderung der Sachlage bei der KV zu diesem Themengebiet in den vergangenen zwei Jahren, mit der wir es schaffen können, unseren Versorgungsgrad von derzeit 30,67% enorm zu verbessern.
Brachttal gehört als Kommune dem Mittelbereich Wächtersbach/Bad Soden-Salmünster an, in dem es in den vergangen drei Jahren eine immense Reduzierung des Versorgungsgrades um fast 20% gab. Dies ist unter anderem dem demographischen Wandel geschuldet, wodurch ein Hausarzt „nur“ noch für 1559 Einwohner zuständig ist anstatt der üblichen 1609 Einwohner. Daraus resultiert, dass in dem Planungsbereich seit diesem Jahr 6,5 Arztstellen zu besetzen sind.
Von diesen 6,5 Arztsitzen werden vier Niederlassungen in Brachttal und Wächtersbach von der KV mit umfangreichen Förderungen unterstützt. Diese Förderung umfasst die sogenannte Förderung der Niederlassungsbereitschaft, unter die u.a. Förderbeträge von bis zu 66 000€ für Ärzte, die sich hier neu niederlassen, fallen. Der Kreis würde eine Neuniederlassung zusätzlich mit bis zu 20 000€ bezuschussen. Für einen Umzug nach Brachttal gibt es on top noch eine Förderung von bis zu 10 000€. Für den neuen Hausarzt wird die Planungssicherheit durch eine sogenannte Honorarumsatzgarantie gewährleistet, aber auch der bestehende Hausarzt kann über sein 65. Lebensjahr hinaus weiterarbeiten in Brachttal und würde pro Quartal zusätzlich 2 000€ erhalten. Für junge Ärztinnen werden durch den Strukturfonds der KV auch die Kinderbetreuungskosten bis zu einer Höhe von maximal 400€ übernommen.
Doch wir müssen uns bewusst sein, dass alle Förderungen nichts bringen, wenn immer weniger Hausärztinnen und Hausärzte ausgebildet werden. Dafür gibt es die sogenannte Förde-rung des ärztlichen Nachwuchses, von der wir als Gemeinde Brachttal ebenso profitieren. Durch dieses Angebot erhalten junge Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung die Möglichkeit, sich Fachvorträge, die durch die KV organsiert werden, zur Niederlassung und zur vertragsärztlichen Tätigkeit anzuhören. Des Weiteren erhalten Studentinnen und Studenten der Humanmedizin 595€ pro Monat in ihrem praktischen Jahr und ihrer Famulatur (Die Famulatur ist ein für Medizinstudenten vorgeschriebenes viermonatiges Praktikum.) extra, wenn sie diese Zeit hier in Brachttal oder einem anderen förderfähigen Bereich absolvieren. Außerdem gibt es eine vollständige Förderung der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin, worüber hin-aus es ein sogenanntes „Start gut!“-Guthaben gibt, bei dem sich die Assistenzärztinnen und Assistenzärzte pro Monat der Weiterbildung im ländlichen Raum 1 000€ ansparen können, die ausgezahlt werden, wenn sie sich später in einem förderfähigen Bereich niederlasen.
Für uns als SPD Brachttal ist es dennoch wichtig, dass wir uns hier nicht ausschließlich auf die KV Hessen und deren Förderungen verlassen. Die Kommune muss unterstützend tätig wer-den, indem man einen möglichen Hausarzt dabei unterstützt, Räumlichkeiten zu finden und diese in Absprache mit dem Arzt nach seinen Wünschen gestaltet. Ebenso wichtig muss die Attraktivität der Gemeinde sein, da die Forderung nach einer abwechslungsreichen Work-Life-Balance und nach geregelten Arbeitszeiten, die sich weniger auf Büroarbeit, sondern auf das Praktizieren beziehen sollen, seitens der Mediziner steigt. Wir als Kommune müssen dahin-gehend unterstützend tätig sein, sodass wir bspw. Kita-Plätze für die Kinder der Ärztin oder des Arztes zur Verfügung stellen müssen und ihn bei der Bürokratie entlasten.  
Des Weiteren ist es für uns auch selbstverständlich, dass wir uns nicht zu früh von dem Gedanken an einen niedergelassenen Hausarzt im Ort verabschieden, denn in Anbetracht der Demographie und der Generationengerechtigkeit ist es nicht vertretbar, dass man bis zu 20 Minuten zu einem Hausarzt fahren muss, dass eine Zweigpraxis nur an bestimmten Tagen besetzt ist oder dass ein Shuttlebus-Service die Patienten als Sammeltransport zum Arzt fährt. Da sind wir uns alle einig: Der Hausarzt muss als essentieller Bestandteil der örtlichen Versorgung schnell erreichbar sein!

 

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